Tinnitus- und Achtsamkeits-Forschung

Nachstehend finden Sie eine Übersicht einiger aktueller Erkenntnisse über die Wirksamkeit achtsamkeitsbasierter Ansätze und ihre Bedeutung für die Tinnitusbehandlung.

 

 

Achtsamkeitsübungen führen zu einer Verdichtung im Bereich der grauen Hirnmasse

(Mindfulness practice leads to increases in region brain gray matter density)


Autoren: Britta K. Hözel, James Carmody, Mark Vangel, Christina Congleton, Sita M. Yerramsetti, Tim Gard, Sara W. Lazar

Quelle: Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School, Boston, MA, USA. britta(at)nmr.mgh.harvard.edu

 

Kurzbeschreibung
Das systematische trainieren und anwenden von Achtsamkeitsmeditation als therapeutischen Ansatz hat zunehmend an Bedeutung gewonnen, wenngleich zum jetzigen Zeitpunkt noch wenig bekannt ist über neuronale Mechanismen, die durch diese Therapie aktiviert werden. Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) als das am häufigsten verwendete Achtsamkeits-Trainingsprogramm produziert nachweislich positive Effekte auf das psychologische Wohlergehen und verbessert signifikant eine ganze Reihe von Beschwerden. Wir führen hier Ergebnisse aus einer Langzeitstudie an, derzufolge die Prä-Post Verdichtung der grauen Hirnsubstanz eindeutig der Teilnahme an einem MBSR-Programm zugeordnet werden konnte.  Es wurden anatomische Magnetresonanzbilder von 16 gesunden Teilnehmern genommen, zunächst vor, und dann nachdem sie das 8-wöchige Programm absolviert hatten.

 

Die Veränderungen/Verdichtungen der grauen Hirnsubstanz wurden durch Voxelbasierte Morphometrie (VBM) abgebildet und mit denen von 17 Probanden von einer Warteliste verglichen. Analysen in priori relevanten Regionen bestätigten eine Zunahme der grauen Hirnsubstanzkonzentration innerhalb des linken Hippocampus. Eine Analyse des Gesamthirns bestätigte eine Zunahme im posterioren Kortex, der  temporo parietalen Verbindung sowie in dem Cerebellum, jeweils bei der Gruppe der MBSR Absolventen  im Vergleich zu den Nicht-Absolventen. Die Resultate legen nahe, dass eine Teilnahme am MBSR Programm mit den Veränderungen der grauen Hirnmassenkonzentration in Verbindung steht. Es handelt sich hier um den Teil der Hirnsubstanz, der für den Lern- und Gedächtnisprozess, die Steuerung von Emotionen und für selbstreflektorische Prozesse verantwortlich ist.

 


 

Pilotstudie achtsamkeitsbasierte Tinnitus-Stressreduktion 

(Mindfulness Based Tinnitus Stress Reduction Pilot Study)


Autoren: Gans J, O'Sullivan P, Bircheff V

Quelle: Mindfulness, Volume 3, No 4, December 2012

 

Kurzbeschreibung
Diese Pilotstudie untersucht, ob ein neuartiger Gesamtansatz von Körper-Geist, der sogenannten  Mindfulness Based Tinnitus Stress Reduction (MBTSR), eine Behandlungsmöglichkeit für chronischen Tinnitus ist. Acht Tinnituspatienten, die vorher standardmäßige Behandlung an der Universität von Kalifornien, San Francisco, Audiologie erhalten haben, nahmen an dem Programm teil.

 

Das Programm enthielt 8 Wochen Gruppenarbeit in der Anwendung und Durchführung von Achtsamkeitspraktiken, einen Übungs- und Besinnungstag, ergänzende Literatur und Übungen für zu Hause über Audio und CDs. Der Ansatz war ein Prä-Post-Interventionsmodell, durchschnittliche Unterschiede  durch gepaarten t-Test wurden inkludiert.  Als Resultat zeigte sich eine deutliche Reduktion der klinischen Symptome und auch der Wahrnehmung der Tinnitussymptome. Die Stärke der Tinnitussymptomatik und das individuelle Beschwerdebild, sowie auch psychologische Erkenntnisse wurden durch einen Fragebogen erfasst.

Es wurden sowohl quantitative als auch qualitative Daten erfasst.  Die Resultate veranschaulichten, dass Effektstärken – zumal von einer größeren Studie untermauert – von klinischer Signifikanz sein können und zeigen einen substantiellen Rückgang der wahrgenommenen Beschwerden und Beeinträchtigungen durch Tinnitus auf.

 

Die Auswertung der Studienergebnisse ging vollständig in die angenommene Richtung, mit der Ausnahme der geringfügigen Änderung des Faktors für das “Achtsame Handeln“ (D = -0,05) Dies Pilotstudie gibt erste und wichtige Anhaltspunkte dergestalt, dass ein 8-wöchiger MBTSR-Kurs durchaus ein wirkungsvoller Ansatz für die Behandlung von chronischem Tinnitus und den komorbiden Symptomen sein kann und außerdem auch für einhergehende Depressionen und Angstzustände  ein effizientes Mittel der Wahl ist, wobei Sozialverhalten und der gesundheitliche Gesamtzustand dabei verbessert wurden. Die vielversprechenden Erkenntnisse rechtfertigen weitere Untersuchungen über eine randomisierte kontrollierte Studie.

 


 

Effiziente und nachhaltige Stressreduktion für Körper und Geist am Arbeitsplatz: eine randomisierte kontrollierte Studie

(Effective and viable mind-body stress reduction in the workplace: a randomized controlled trial)


Autoren: Wolever RQ, Bobinet KJ, McCabe K, Mackenzie ER, Fekete E, Kusnick CA, Baime M.

Quelle: Duke Integrative Medicine and Department of Psychiatry and Behavioral Sciences, Duke University School of Medicine, Durham, NC 27710, USA. ruth.wolever(at)duke.edu

 

Kurzbeschreibung
Maximal gestresste Mitarbeiter sind hohen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, bedeuten für die Firma höhere Kosten und Einbußen in der Produktivität, verglichen mit denjenigen Mitarbeitern, die einen normalen Stresspegel aufweisen. Um dieses Faktum evidenzbasiert zu adressieren, müssen Stessbewältigungstrainings am Arbeitsplatz in der Lage sein, sowohl Daten der einzelnen Mitarbeiter, als auch Daten zu Stress, Gesundheitsangaben, Arbeitsleistung des Einzelnen und die Kosten für Gesundheitsvorsorge erfassen.

 

In diesem randomisierten Pilotprojekt war es unser Primärziel, die Werthaltigkeit und Wirkung zweier Körper-Geist basierter Stressreduktionsprogramme zu untersuchen (ein therapeutischer, yogabasierter Ansatz und ein achtsamkeitsbasierter Ansatz).

 

Dies sollte zunächst Vorläufer sein und Wegbereiter für umfangreichere Studien zur Kosteneinsparung. Ein weiteres Ziel war es, zwei Designs für die achtsamkeitsbasierte Intervention (online oder direkt) zu evaluieren. Das ITT (Intention-to-treat Prinzip) und 2 (prä und post) x 3 (Gruppe) wiederholte Messanalysen zur  Kovarianz-Analysen, untersuchten die Unterschiede der Gruppen über die Zeit, einmal hinsichtlich dem empfundenen Stresslevel und eine weitere Erfassung diente der Ermittlung von zu untersuchenden Variablen/Parametern, die in spätere Studien einfließen sollten: Schlafqualität, Gemüt, Schmerzintensität, Produktivität bei der Arbeit, Achtsamkeit, Blutdruck, Atmungsfrequenz, und Herzfrequenzvariabilität (Messung der automatischen Balance). 239 freiwillige Arbeitnehmer wurden entweder in einem therapeutischen yogabasierten Stressreduktionsprogramm, einem von 2 Achtsamkeitsbasierten Programmen oder eine Vergleichsgruppe, die nur am Assessment teilnahmen randomisiert. In der direkten Gegenüberstellung mit dieser Vergleichsgruppe, zeigten die Teilnehmer  des gesamtheitlichen Geist-Körperansatzes signifikant höhere Verbesserungen in puncto Stressresistenz, Schlafqualität,  Herzrhytmus  und Koherenzverhältnis der Herzfrequenzvariabilität. Die Ergebnisse des Achtsamkeitsprogramms zeigten annähernd gleiche Ergebnisse.

 

Sowohl das achtsamkeitsbasierte, als auch das therapeutische Yogaprogramm  liefern messbare und effektive Ansätze zur Behandlung von hohem Stresspegel, Schlafqualität sowie autonomer Balance bei den getesteten Mitarbeitern.

 


 

Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion für Menschen mit chronischen Krankheiten

(Mindfulness-based stress reduction for people with chronic diseases)


Author: Merkes M.

Quelle: Australian Institute for Primary Care, La Trobe University, Bundoora, Vic. 3086, Australia. m.merkes(at)latrobe.edu.au

 

Kurzbeschreibung
Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion, bzw. Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) ist ein strukturiertes Gruppenprogramm, was die Achtsamkeitsmeditation einsetzt, um das Wohlergehen zu fördern und das individuell empfundene Leid zu mindern. Nachfolgender Artikel überprüft den Einfluss von MBSR auf Menschen, die unter chronischen Krankheiten leiden.  Diese Überprüfung enthält originäre Forschungsergebnisse, die in Englischer Sprache veröffentlicht wurden  sowie peer-reviewed und veröffentlichte Ergebnisse für Erwachsene mit chronischen Krankheiten, die an solch einem MBSR-Programm partizipiert haben. Fünfzehn Studien wurden identifiziert. Die Ergebnisse bezogen sich auf mentale und körperliche Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität.  Ferner enthielten die Studien unterschiedliche Forschungsansätze und fußten zum Einen auf Selbsteinschätzung sowie gemessenen physiologischen Ergebnissen.  Die klinischen Merkmale und Diagnosen der Teilnehmer umfassten Fibromyalgie, chronische Schmerzzustände, rheumatoide Arthritis, Diabetes Typ 2, chronisches Müdigkeitssyndrom, multiple Chemikaliensensitivität und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Alle15 Untersuchungen ergaben, dass eine Teilnahme an dem MBSR-Programm in  deutlichen Verbesserungen des Gesamtzustandes resultierte.

 Keinerlei negative Äußerungen wurden zwischen Erst- und Folgeuntersuchungen vermeldet. Ergebnisse in Hinsicht auf spezifische Variablen waren schwierig zu vergleichen und verbleiben mehrdeutig interpretierbar.

 

Insgesamt dominierten die Veränderungen zum eindeutig Besseren. Gerade chronische Krankheiten sind mit einer ganzen Reihe von unwillkommenen psychologischen und physischen Konsequenzen verbunden.

Die Teilnahme an einem MBSR-Programm hilft unbestritten dabei, mi den Symptomen besser umzugehen, sie verbessert das Gesamtempfinden und somit die Lebensqualität und führt überdies zu einem wesentlich besseren Gesundheitszustand.  Als eine Ergänzung zur Standardbehandlung hat MBSR das Potential für eine wesentlich breitere Anwendung als bislang realisiert.  

 

 

Veränderungen im Gehirn und der Immunabwehr durch Achtsamkeitsmeditation

(Alterations in brain and immune function produced by mindfulness meditation)


Autoren: Davidson RJ, Kabat-Zinn J, Schumacher J, Rosenkranz M, Muller D, Santorelli SF, Urbanowski F, Harrington A, Bonus K, Sheridan JF.

Quelle: Laboratory for Affective Neuroscience, Department of Psychology, University of Wisconsin, Madison, Wisconsin 53706, USA. rjdavids(at)facstaff.wisc.edu

 

Kurzbeschreibung
ZIEL: Die zugrundeliegenden Veränderungen in den biologischen Prozessen, die sich aufgrund von Meditation mit positiver response auf mentale und physische Gesundheit auswirken, sind noch nicht in hinreichender Form erforscht.

Wir haben eine randomisierte kontrollierte Studie über die Effekte von Hirnfunktion und Immunabwehr  aufgrund eines bekannten und weitverbreiteten 8-wöchigen klinischen Trainingsprogramms in Achtsamkeitsmeditation durchgeführt. Dazu haben wir Testpersonen in gutem Gesundheitszustand und innerhalb ihrer Arbeitsumgebung getestet.

 

METHODEN: Wir haben die hirnelektrische Aktivität vor und unmittelbar nach dem Trainingsprogramm, sodann nochmals nach Ablauf von 4 Monaten nach Beendigung des 8-wöchigen Trainingsprogramms in Achtsamkeitsmeditation gemessen.

 

Insgesamt 25 Personen der Meditationsgruppe wurden getestet. Eine Vergleichsgruppe wurde ebenfalls zu denselben Zeitintervallen getestet wie die Meditationsgruppe.  Nach Beendigung des 8-wöchigen Kurses wurde den Teilnehmern beider Gruppen Grippeviren injiziert.

 

RESULTATE: Wir konnten innerhalb der Meditationsgruppe erhebliche linksseitige Aktivierung im anterioren Bereich des Gehirns verzeichnen, ein Muster was ehedem mit positiver-Affektierung verknüpft ist. Auch konnten wir bei der Meditationsgruppe einen signifikanten Anstieg der Antikörpertiter gegen die Grippeviren feststellen, was in der Vergleichsgruppe nicht der Fall war. Schlussendlich war die Größenordnung der linksseitigen Aktivierung äquivalent zum Ausmaß bzw. Größenordnung des Anstiegs in der Antikörperentwicklung auf die Impfung.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN: Diese Erkenntnisse veranschaulichen, dass bereits ein kurze Programmdauer in Achtsamkeitsmeditation ausreicht, um nachweislich positive Effekte auf das Gehirn und die Immunfunktion auszuüben; daraus ergibt sich zwangsläufig die Notwendigkeit weiterer Forschungsarbeit in diesem Bereich.

 

 


 

Eine randomisierte kontrollierte Studie achtsamkeitsbasierter kognitiver Therapie in der Tinnitusbehandlung

(A randomized controlled trial of mindfulness-based cognitive therapy for treating tinnitus)


Autoren: Philippot P, Nef F, Clauw L, de Romrée M, Segal Z.

Quelle: University of Louvain, Louvain, Belgium.

 

Kurzbeschreibung
Wir haben eine randomisierte klinische Studie zur Untersuchung der relativen Effizienz zweier psychologischer Therapieansätze für die Tinnitusbehandlung durchgeführt.

 

Betroffenen mit Tinnitus wurde zunächst eine psychoedukatorische Einzelsitzung über Tinnitus angeboten, darauffolgend zwei Monate später sechsmal wöchentlich eine Sitzung, wahlweise entweder über Achtsamkeit oder Entspannungstraining.

Die Resultate ergaben als Vorteile aus der psychoedukatorischen Sitzung eine Reduzierung negativer Emotionen, Rumination und Verminderung der psychischen Schwierigkeiten, mit dem Tinnitus zu leben. Diese Effekt konnten aufrechterhalten oder gar noch weiter verbessert werden durch die Anwendung von Achtsamkeitstraining was vor allem auf Akzeptanz abzielte.

Meditationsprozesse werden diskutiert, Vorschläge für inensivere klinische Inteventionen für die Zielgruppe wurden unterbreitet.

 

MEDIZINISCHE KERNAUSSAGE: Die vorliegenden Resultate deuten darauf hin, dass zur Behandlung der psychologischen Folgeerscheinungen von Tinnitus das Achtsamkeitstraining ein wirksamer Zusatz zum psychoedukativen Ansatz darstellen kann.

 

 


 

Tinnitus-Rehabilitation: ein kognitiver auf Achtsamkeitsmeditation gestützter Therapieansatz

(Tinnitus rehabilitation: a mindfulness meditation cognitive behavioural therapy approach)


Autoren: Sadlier M, Stephens SD, Kennedy V.

Quelle: Physiotherapy Department, University Hospital of Wales, Cardiff, UK. sadliermj(at)cardiff.ac.uk

 

Kurzbeschreibung
HINTERGRUND: Chronischer Tinnitus ist eine häufige Symptompräsentation in der klinischen Praxis. Bislang hat sich noch keine medikamentöse Therapie als effektiv erwiesen. Das Ziel der vorliegenden Studie war es, den Einfluß einer kognitien Verhaltenstherapie und Meditation auf das Tinnitusbeschwerdebild zu untersuchen.

 

METHODIK: Eine ausgewählte Patientengruppe einer auf Tinnitus spezialisierten Klinik des  Welsh Hearing Instiutes wurde untersucht. Es wurde das Wartelistenprinzip verwendet. 25 an chronischem Tinnitus leidende Testpersonen wurden fortlaufend in zwei Gruppen aufteteilt. Eine Gruppe erhielt eine kognitive Verhaltenstherapie / Meditation in 4 jeweils einstündigen Sitzungen, während die andere Gruppe drei Monate wartete und dann nacheinander dieselbe Behandlung durchliefen. Die wesentlichen Erkenntnisse wurden anhad der Auswertung des Hallam Tinnitusfragebogens gewonnen. Eine Wiederholung nach 4-6 Monaten wurde durchgeführt.

 

RESULTATE: Die Resultate wiesen eine signifikante statistische Reduktion der Tinnitusbeschwerden, sowohl bei der aktiven als auch bei der Kontrollgruppe auf. Nach Beendigung der Therapie wurden keine nennenswerten Veränderungen nach der Wartelistenzeit registriert. Die Verbesserungen wurden auch über die 4-6 monatige Pause hinaus beibehalten.

 

SCHLUSSFOLGERUNG: Die positive Ergebnisse untermauern den Ansatz der kognitiven Verhaltenstherapie in Verbindung mit Meditation für die Behandlung von Patienten mit chronischem Tinnitus.


Pulssynchroner Tinnitus: Wie am besten ins Bild setzen?


Ungefähr 4% aller Patienten mit Tinnitus leiden an einem pulssynchronen Ohrgeräusch. Bei etwa 20% von ihnen ist der Tinnitus objektivierbar, sprich auch vom Untersucher festzustellen. Als Ursache eines pulsatilen Tinnitus (PT) lassen sich am häufigsten vaskuläre Veränderungen ausmachen, er kann aber auch durch Neoplasmen hervorgerufen sein. Eine Abklärung ist dringend angeraten, wie HNO-Ärzte um Syed F. Ahsan von den Henry Ford Health Systems in Detroit in der Fachzeitschrift „Laryngoscope“ schreiben.

„Zur Diagnostik gehört eine komplette neurootologische Untersuchung, inklusive Otoskopie und Auskultation von äußerem Gehörgang, periaurikulär und am Hals“, schreiben Ahsan et al. Ob danach zuerst ein CT oder ein MRT angefertigt werde, sei aber wegen der Vielzahl möglicher Ursachen und der fraglichen Bedeutung mancher Befunde keine einfache Entscheidung. In einem „Best Practice“-Artikel – auf der Basis von fünf Studien bzw. Übersichtsarbeiten aus den Jahren 2009–2014 – machen die HNO-Ärzte deswegen einen Vorschlag, wie bei der Bildgebung am besten vorgegangen werden kann.

Ahsan SF et al. What Is the Best Imaging Modality in Evaluating Patients With Unilateral Pulsatile Tinnitus? Laryngoscope 2014, online 9. Juli; doi: 10.1002/lary.24822



Tinnitus als Ergebnis fehlerhafter zerebraler Adaptionsvorgänge


Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Nervensystems, sich an Veränderungen des

Körpers oder der Umwelt anzupassen, kann gelegentlich auch negative Auswirkungen haben, erklärte Prof. Dr. Christian Plewnia, Psychiater an der Universität Tübingen, auf dem diesjährigen HNO-Kongress in Nürnberg. So deute vieles darauf hin, dass Tinnitus das Ergebnis fehlerhafter zerebraler Adaptionsvorgänge ist.

Einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Pathophysiologie des chronischen Tinnitus habe die transkranielle Magnetstimulation (TMS) geliefert. Die hochfrequente Stimulation überaktiver Hirnareale im auditorischen Kortex (AC) schien zunächst erfolgversprechend, anhaltende therapeutische Effekte konnten in klinischen Studien allerdings nicht bestätigt werden. Möglicherweise spielen periphere Faktoren bei der Tinnitusentstehung eine größere Rolle als bisher angenommen, räumte Plewnia ein. Denkbar sei auch, dass der Hörverlust, der bei den meisten Patienten als Ursache des Ohrgeräusches gilt, „einen so starken, die maladaptive Plastizität aufrechterhaltenden Reiz darstellt, dass die TMS nicht genug entgegensetzen kann.“ Die besten therapeutischen Effekte kann man laut Plewnia mit kognitiv-behavioralen Verfahren erzielen, die die adaptive Neuroplastizität und somit ein neuerliches „Umlernen“ des Tinnitus unterstützen. Dazu zählen kognitive Verhaltenstherapie, Neurofeedback, frequenzadaptierte Musiktherapie (Musiktherapie unter Aussparung der Tinnitusfrequenz) und Retrainings-Methoden, aber auch körperliche Aktivität. Ziel dieser Verfahren ist, den Tinnitus an den Rand der Wahrnehmung zu drängen, da Aufmerksamkeit und Emotionen eng mit der empfundenen Belastung verknüpft sind.

Satellitensymposium „Zentralnervöse Mechanismen bei Tinnitus“, DGHNO-Kongress, Nürnberg, 10. Mai 2013. Veranstalter: Dr. Willmar Schwabe

 

Weitere Forschung zum Tinnitus in englischer Sprache:

[1] Baigi A et al: Tinnitus in the general population with a focus on noise and stress: a public health study. Ear Hear. 2011; 32 (6): 787-789

[2] Mazurek B et al: Stress and tinnitus - from bedside to bench and back. Front Syst Neurosci. 2012; 6:47

[3] Eggermont JJ et al: The Neuroscience of Tinnitus: Understanding Abnormal and Normal Auditory Perception. Front Syst Neurosci. 2012; doi: 10.3389/fnsys.2012.00053

[4] Vanneste S et al: The auditory and non-auditory brain areas involved in tinnitus. An emergent property of multiple parallel overlapping subnetworks. Front Syst Neurosci. 2012; 6:31

[5] Baldo P et al: Antidepressants for patients with tinnitus. Cochrane Database Syst Rev. 2012; doi: 10.1002/14651858

[6] Cima RF et al: Specialised treatment based on cognitive behaviour therapy versus usual care for tinnitus: a randomised controlled trial. Lancet. 2012; 379 (9830): 1951-1959